Warum mache ich das hier eigentlich?

Warum mache ich das hier eigentlich? Diese Frage stelle ich mir manchmal, wenn ich nach vier Tagen erschöpft und gleichzeitig froh aus der Praxis komme und mich an die Planung für helpers circle setze: Workshops, Beiträge für Instagram, Teamführung, Marketingstrategie, Community-Aufbau. 

Manchmal denke ich dann: „Kati, mach doch einfach Wochenende. Mit der Praxis verdienst du genügend Geld, dass du mit den Kindern mehr als gut über die Runden kommst. Mach doch Wochenende, ich meine SO RICHTIG Wochenende, und steck das Geld nicht sofort wieder in Mitarbeiter*innen-Gehälter, Werbung und Sonstiges für helpers circle.“ Ja, manchmal denke ich so.

Ich weiß, dass das meine Aufgabe ist

Meistens jedoch nur sehr kurz. Denn dann, früher oder später, kommt ein Moment – manchmal auf der Straße, manchmal auf Instagram, manchmal in der Praxis, manchmal durch meine Kinder oder von ganz woanders –, da weiß ich, dass ich genau das Richtige tue. Dass ich genau am richtigen Platz mit helpers circle bin, einen Schritt nach dem anderen mache und damit Großes bewegen werde. 

Ich weiß dann, dass genau das meine Aufgabe ist. Dass es meine Aufgabe ist, Helfende – und zwar nicht nur Pflegekräfte ODER Lehrkräfte ODER Erzieher*innen ODER Pflege-/Adoptiv-Eltern …, sondern ALLE Helfenden – darin zu unterstützen, dass sie langfristig gut und gesund helfen können. 

Warum ich heute bin, wo ich bin

Meine eigene Vergangenheit hat mir die Wurzeln dazu gegeben: Ich bin in einer Familie mit vielen Pflege- und Adoptivkindern aufgewachsen, war die Älteste ohne Behinderung, habe früh viel Verantwortung übernommen, da meine Mutter sehr oft krank und im Krankenhaus oder zur Reha war, mein Vater sehr patriarchal und cholerisch.

Ich war sehr früh Mutter meiner Geschwister. Ich habe früh gelernt, andere durch Krisen zu begleiten. Ich habe früh gelernt, Verantwortung zu übernehmen. Zu früh. Das hat mich viele Therapiestunden gekostet. Auch Trauma kenne ich.

Die Weisheit von Kindern….

Mein Sohn hat mich mal gefragt, ob ich ein schönes Zuhause gehabt hätte, und als ich ihm etwas ausweichend antwortete: „Na ja, geht so, manchmal vielleicht“, da sagte er mir: „Das habe ich mir gedacht. Woher solltest du sonst wissen, wie man Kindern ein so gutes Zuhause geben kann.“ Alleine beim Schreiben muss ich weinen. So hatte mich noch niemand gesehen.

Und ja, er hat recht. Ich habe ein gutes Gespür dafür entwickelt, wo es fehlt. Wo es mir gefehlt hat. Nun weiß ich, was es gebraucht hätte. Ich habe viele Jahre Therapie gemacht, sieben Jahre Therapie-Ausbildungen, hatte viele heilsame Begegnungen, habe mir Ersatz-Familien gesucht, meinen Bruder als Familie entdeckt (und gerade kommen Cousin*en dazu) und unzählige Fortbildungen mit Selbsterfahrung mitgemacht.

Hier geht’s zu einem anderen Blog-Artikel über die Weisheit meiner Kinder.

Ich kenne das Dunkel – und den Weg ins Helle

Ich habe gelernt, das Nervensystem zu verstehen, mein eigenes immer tiefer zu heilen und den Container größer zu machen für das Leid von anderen. Ich kann wahnsinnig gut das Leid der anderen halten. Krisen sind mein Spezialgebiet. Je größer die Angst in meinem Gegenüber, desto stärker werde ich, desto mehr wachse ich über mich hinaus. Ich glaube, dafür ist es hilfreich zu wissen, wie dunkel Dunkel sein kann – und erfahren zu haben, dass es einen Weg ins Helle gibt.

Darüber muss ich nicht reden, das spüren meine Klient*innen, da ich mit jeder Zelle meines Körpers jeden Zentimeter dieses Weges gegangen bin.


Unsere Welt ist voller Leid. Unsere Welt ist voller Trauma. Ich bin der Überzeugung, dass viele aktuelle Probleme nur aufgrund von nicht gelösten Traumata existieren. 

Es braucht mehr Menschen, die mit Leid und Trauma umgehen können, die daran nicht zerbrechen. Die wissen und daran glauben, dass es anders geht. Dass wir die Welt verändern können. Alle gemeinsam. Wir müssen nur mehr werden.

Dafür braucht es neben fachlichem Wissen die Bereitschaft, selber ein Container zu werden, um andere halten zu können. Das ist Arbeit. Das geschieht nicht von alleine.

Manchmal reicht ein bisschen mehr Wissen

Nun müssen nicht alle Menschen Traumatherapeut*innen werden, Zigtausende Euro und viele Jahre in Ausbildungen stecken, denn oft haben sie ja schon viel gelernt und tolle Ausbildungen gemacht. Häufig fehlt jedoch das Wissen um Trauma und Traumaprävention. 

Manchmal reicht ein bisschen mehr Wissen über das Nervensystem aus, um einen großen Unterschied zu machen. Dann müssen wir „nur noch“ dafür sorgen, dass unser Container auch groß genug ist und unsere Batterien voll genug sind, damit wir die Menschen halten können, für die wir hier unterwegs sind.

Unser Container für Helfende:
Die helpers circle Community

In der helpers-circle-Community versammeln wir uns. Denn wir alle haben eines gemeinsam: Wir sind Helfende. Aus den unterschiedlichsten Bereichen. Wir stellen uns und unser Wissen in den Dienst von etwas Höherem und stellen für einen (un)begrenzten Zeitraum unsere Bedürfnisse zurück. Warum? Das ist eher ein Gefühl oder ein inneres Wissen als kognitiv erklärbar.

Vielleicht sind wir auch alle ein bisschen bekloppt. Und wenn schon … Wir sind Helfende. Und wir werden gebraucht. Dringender denn je. Wir können es uns nicht erlauben, an Burnout und Sekundärtraumatisierung zugrunde zu gehen. Damit bin ich nicht einverstanden. Und auch auf die Politik können wir nicht warten.

Deswegen mache ich das hier alles.
Deshalb gibt es helpers circle.

Neueste Kommentare