Gute Fehlentscheidung

Mein Sohn hat sich vor ein paar Jahren beim Inlinern verletzt. Sein erster Kommentar: Mama, ich glaub, da ist was gebrochen. Ich hatte abgespeichert, dass Brüche schnell anschwellen und Verstauchungen oft noch mehr weh tun. Also Zuhause erst einmal einen Arnikaverband um den Arm gemacht und wir haben abgewartet, wie sich das Ganze entwickelt. Die Nacht war gut, so ging mein Sohn also am nächsten Tag in die Schule. Bis ich angerufen wurde, da er mit Schmerzen da saß. Also habe ich mir den Arm erneut angeschaut – immer noch keine Schwellung. Also habe ich ihm wieder einen Arnikaverband gemacht. Wieder war alles gut, er rannte und sprang durch die Wohnung. Am nächsten Tag wieder in die Schule, wieder wurde ich angerufen. Wir fuhren ins Krankenhaus und das Röntgenbild zeigte – recht schwer zu erkennen – einen Stauchungsbruch. Da sieht man nur so zwei kleine Schwülste und nicht unbedingt eine Bruchlinie, wurde mir erklärt. UND! der schwillt meist er nach zwei Tagen an.

Mein Sohn hatte also mit seinem ersten Gefühl recht. Sein Arm war gebrochen und ich hätte besser mal auf ihn gehört. Und das habe ich ihm auch gesagt. Seitdem ist meine erste Frage immer, wenn eines der Kinder sich verletzt hat: Spür mal rein, ist es war Ernstes oder was sagst Du? Und sie lagen bisher immer richtig. Und wir erinnern uns alle an meine glorreiche Fehlentscheidung – und bestärken uns damit jedes Mal, wie gut es ist, auf seinen Körper zu hören und dass ich keine Ahnung von ihren Körpern habe.

Heute in der Pause meines Seminars, bekam ich eine Sprachnachricht von meinem anderen Sohn, der letzte Woche mit mir krank war. Er hatte heute eigentlich ein Tischtennisspiel. Und da die Mannschaft recht knapp besetzt ist, wäre ein Ausfall von ihm mit dem Nichtantreten-können für alle, mit Strafgebühr und ‚Spiel verloren‘ verbunden. Er sprach mir in der Nachricht auf: “Mama, eigentlich wäre es echt gut, wenn ich spielte. Das wäre echt so richtig doof, wenn die meinetwegen nicht spielen können. Aber wenn ich in meinen Körper reinhöre, dann sagt der: Nein, das ist noch zu früh. Ich glaube, da müssen die jetzt leider durch.”

Und ich bin froh über meine Fehlentscheidung damals und unsere Lehren daraus.

Kati Bohnet

Kati Bohnet

Diplom-Mathematikerin, Integrative Gestalt- und Traumatherapeutin (Somatic Experiencing®), Gründerin und Leiterin des Bildungszentrums und Netzwerkes helpers circle
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